Baukran-Arten: Welcher Turmdrehkran für welches Bauvorhaben?

Kurzantwort: Baukrane (Turmdrehkrane) gibt es in drei Grundbauarten: Untendreher, Obendreher und Schnelleinsatzkran. Für den Hausbau ist der selbstaufstellende Schnelleinsatzkran das Standardgerät, mehrgeschossige Projekte brauchen einen Obendreher. Die Monatsmiete reicht je nach Typ von 2.500 € für einen Schnellbaukran bis über 22.000 € für einen Groß-Obendreher. Stand: Juli 2026.

Zwei Baukran-Arten im Vergleich auf einer Baustelle: kompakter selbstaufstellender Untendreher neben einem hohen Obendreher mit Katzausleger und Betonfundament
Links das Hausbau-Format, rechts der Obendreher für den Geschossbau: dieselbe Gerätefamilie, zwei völlig verschiedene Montage- und Kostenwelten (KI-generierte Darstellung).

Die drei Grundtypen: Untendreher, Obendreher, Schnelleinsatzkran

Ein Untendreher trägt sein Drehwerk am Turmfuß: Der komplette Turm dreht sich mitsamt Ausleger, der Ballast liegt unten auf dem Grundrahmen. Das hält die Bauart kompakt und schnell montierbar, begrenzt aber die Höhe; üblich sind Hakenhöhen bis rund 30 m.

Beim Obendreher sitzt das Drehwerk oben am Turmkopf. Der Turm steht fest, nur Ausleger und Gegenausleger mit dem Ballast drehen sich. So lassen sich deutlich größere Hakenhöhen und Traglasten erreichen, bezahlt mit aufwendiger Montage per Autokran und meist einem Betonfundament. Alles ab dem mehrgeschossigen Wohnungsbau ist Obendreher-Terrain.

Der Schnelleinsatzkran, auch Schnellmontagekran oder Schnellbaukran genannt, ist technisch ein Untendreher mit einem Trick: Er entfaltet Turm und Ausleger hydraulisch von selbst und steht in wenigen Stunden. Auf Einfamilienhaus-Baustellen ist er das Standardgerät. Die Begriffe Baukran, Turmdrehkran und Turmkran meinen übrigens dieselbe Gerätefamilie; einen Überblick über alle Kranfamilien vom Autokran bis zum Minikran gibt der Ratgeber Krantypen im Vergleich.

Obendreher vs. Untendreher: der technische Vergleich

Ein Untendreher dreht sich mitsamt Turm am Fuß, ein Obendreher dreht nur den Ausleger auf dem feststehenden Turm. Ein Untendreher ist pro Monat etwa 1.500–3.000 € günstiger als ein vergleichbarer Obendreher.

KriteriumUntendreherObendreher
Drehwerkam Turmfuß, Turm dreht mitam Turmkopf, Turm steht fest
Montageselbstaufstellend oder wenige StundenAutokran-Montage, meist ein voller Tag
Gründungtragfähige Standfläche, Abstützungoft Betonfundament oder Fundamentanker
Hakenhöhemeist bis ca. 30 mmeist 30–80 m, verankert mehr
Traglast an der Spitzetypisch 1–1,5 ttypisch 1,5–4 t, große Geräte mehr
Umsetzen auf der Baustellevergleichsweise einfachaufwendig, neuer Montagetag
Monatsmiete2.500–4.500 € (Schnellbaukran-Klasse)4.000–22.000 € je nach Klasse
Typischer EinsatzEFH, Aufstockung, kleines MFHGeschosswohnungsbau, Gewerbe

Quelle: eigene Marktrecherche über die gelisteten Kranvermieter. Stand: Juli 2026.

Schnelleinsatzkran: das Standardgerät für den Hausbau

Kein anderer Baukran-Typ wird so oft unterschätzt und so oft gebraucht. Der Schnelleinsatzkran kommt als kompakte Transporteinheit auf die Baustelle, entfaltet sich hydraulisch und ist am selben Vormittag einsatzbereit, ohne Autokran und ohne Fundamentarbeiten. Die Aufstellpauschale beginnt bei rund 1.000 €, während die Montage eines Obendrehers mit 3.000–8.000 € zu Buche schlägt. Wer ein Einfamilienhaus baut, einen Dachstuhl richtet oder aufstockt, bekommt hier die wirtschaftlichste Lösung.

Die Grenzen liegen in Höhe und Last: Eine Hakenhöhe um 20 m und rund 1–1,5 t an der Auslegerspitze reichen für zwei Geschosse plus Dachstuhl, aber nicht für den Geschossbau mit schweren Betonfertigteilen. Spätestens wenn Filigrandecken oder komplette Fertigteilwände über große Ausladung zu heben sind, übernimmt der Obendreher. Was der Kran auf der Hausbaustelle konkret leisten muss, behandelt der Ratgeber Kran mieten für den Hausbau.

Sonderformen: Mobilbaukran und Auslegerbauformen

Ein Mobilbaukran verbindet zwei Welten: den Turmdrehkran-Ausleger, der über das Gebäude hinweg arbeitet, und ein mobiles Fahrgestell, das auf eigener Achse anreist. Anfahren, aufstellen, heben, abbauen, alles an einem Tag. Für kurze Einsätze mit Turmdrehkran-Geometrie, etwa einen Dachstuhl in eng bebauter Lage, gibt es keine schnellere Lösung; dafür liegt der Einsatzpreis deutlich über der anteiligen Monatsmiete eines stationären Geräts.

Bei den Auslegern unterscheidet die Branche drei Bauformen. Der Katzausleger steht waagerecht, eine Laufkatze fährt die Last auf dem Ausleger vor und zurück; das ist der Normalfall auf deutschen Baustellen. Der Nadel- oder Wippausleger steht steil und wippt zum Heranholen der Last, was in dicht bebauten Innenstädten den Schwenkradius klein hält. Flat-Top-Krane verzichten auf die Turmspitze mit ihren Abspannseilen; wo mehrere Krane übereinander schwenken oder die Höhe begrenzt ist, sind sie die Standardwahl. Kletterkrane, die im Bauwerk mitwachsen, sind reine Hochhaus-Technik und im Mietalltag von Bauherren praktisch ohne Bedeutung.

Traglast richtig lesen: warum „8 Tonnen" selten 8 Tonnen sind

Die häufigste Fehleinschätzung bei Baukranen steckt in einer einzigen Zahl. Wenn ein Gerät mit „8 t Traglast" beworben wird, gilt dieser Wert nur dicht am Turm. Mit jedem Meter Ausladung sinkt die mögliche Last, und an der Auslegerspitze bleiben je nach Klasse oft nur 1–1,5 t übrig. Wer die Angabe „Turmdrehkrane heben 20 bis 50 Tonnen" liest, sollte wissen: Das sind Werte großer Geräte direkt am Turm, keine Orientierung für die eigene Baustelle.

Ich habe vier Jahre im Liebherr-Werk Ehingen Mobilkrane mitgebaut, und die erste Lektion jeder Traglasttabelle gilt am Turmdrehkran genauso: Traglast ist immer Traglast bei einer bestimmten Ausladung. Für Ihre Anfrage heißt das ganz praktisch: Nennen Sie das Paar aus Last und Radius, also etwa „Fertigteile mit 2 t bei 25 m", nicht nur das Gewicht. Erst mit beiden Werten kann ein Vermieter das passende Gerät und die richtige Klasse bestimmen.

Welcher Baukran für welches Bauvorhaben?

Für ein Einfamilienhaus reicht ein Schnelleinsatzkran, mehrgeschossiger Wohnungsbau braucht einen Obendreher, und für einzelne Hübe ist gar kein Baukran, sondern ein Autokran die richtige Wahl. Die Tabelle ordnet die typischen Projekte.

BauvorhabenEmpfohlener TypWorauf es ankommt
Einfamilienhaus-NeubauSchnelleinsatzkranHakenhöhe um 20 m reicht, Aufstellung ab 1.000 €
Dachsanierung, Aufstockungkompakter Untendreher oder Mobilbaukrankurze Standzeit, wenig Stellfläche
Mehrgeschossiger WohnungsbauStandard- bis Mittelklasse-ObendreherHakenhöhe 30–60 m, Fundament einplanen
Innenstadt, eng bebautObendreher mit Wipp- oder Flat-Top-AuslegerSchwenkradius und Überschwenkrechte klären
Halle, schwere FertigteileMittelklasse- bis Groß-ObendreherTraglast bei großer Ausladung prüfen
Einzelne Hübe an einem Tagkein Baukran: Autokran500–2.000 € pro Einsatztag inkl. Kranführer

Typische Orientierungswerte aus eigener Marktbeobachtung. Stand: Juli 2026.

Drei Anfragen von meiner Plattform zeigen die Bandbreite: Ein Bauunternehmen bestellte gezielt einen untendrehenden Turmdrehkran für rund sieben Wochen Rohbau. Ein Dachdeckerbetrieb brauchte 1 t Traglast bei 20–40 m Hubhöhe, je nach Gebäude also schon die Grenze zwischen großem Untendreher und Obendreher. Und für Fertigmodule mit rund 6 t über zwei Monate führte an der Obendreher-Mittelklasse nichts vorbei.

Was kostet welcher Baukran-Typ?

Nach Typ gestaffelt kostet ein Baukran als Schnellbaukran 2.500–4.500 € pro Monat, als Standard-Obendreher 4.000–7.500 €, in der Mittelklasse 7.500–14.000 € und als Groß-Obendreher 14.000–22.000 € pro Monat. Tageweise wird ein Baukran praktisch nie vermietet; üblich sind Monatsmieten. Dazu kommen einmalig Montage und Demontage: ab rund 1.000 € beim selbstaufstellenden Gerät, 3.000–8.000 € beim Obendreher, dort oft plus 1.000–3.000 € für das Fundament.

Die vollständige Rechnung mit Rechenbeispiel, laufenden Kosten und dem Preisunterschied zwischen Untendreher und Obendreher in Euro steht im Ratgeber Baukran mieten: Kosten 2026.

Baukran anfragen: Anbieter aus Ihrer Region

Beschreiben Sie kurz Bauvorhaben, schwerste Last mit Ausladung und die geplante Standzeit (z. B. „EFH-Neubau, Fertigteile 2 t bei 25 m, vier Monate"), ich leite Ihre Anfrage an passende Kranbetriebe in Ihrer Region weiter, kostenlos und unverbindlich.

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Transport, Aufbau, Genehmigung: die praktischen Unterschiede

Der Schnelleinsatzkran kommt als ein Transport, oft im Anhängerformat, und braucht vor Ort nur eine tragfähige, ebene Standfläche. Ein Obendreher dagegen reist in mehreren Tieflader-Transporten an, wird per Autokran montiert und steht auf einem vorbereiteten Fundament; zwischen Bestellung und erstem Hub liegen damit schnell mehrere Tage Vorlauf. Strom brauchen beide: Ein Baukran läuft über den Baustromanschluss, dessen Dimensionierung der Vermieter vorgibt.

Zur Genehmigung: Steht der Kran vollständig auf dem eigenen Grundstück, ist er in der Regel über den Bauantrag abgedeckt. Sobald er auf Straße oder Gehweg steht, braucht es eine Sondernutzungserlaubnis, und sobald der Ausleger über Nachbargrund schwenkt, eine Vereinbarung mit dem Nachbarn. Die Details samt Kosten stehen in den Ratgebern Kran aufstellen: Genehmigung und Straßensperrung für den Kran.

Häufige Fragen: Baukran mieten

Ist ein Baukran dasselbe wie ein Turmdrehkran?
Ja. Baukran, Turmdrehkran und Turmkran bezeichnen dieselbe Gerätefamilie: einen Kran mit festem Turm und drehbarem Ausleger, der über Wochen oder Monate auf der Baustelle steht. Hochbaukran ist die umgangssprachliche Bezeichnung für große Obendreher im Geschossbau.
Was ist ein Mobilbaukran?
Ein Mobilbaukran trägt einen Turmdrehkran-Ausleger auf einem mobilen Fahrgestell. Er fährt auf eigener Achse zur Baustelle, stellt sich in kurzer Zeit selbst auf und ist am selben Tag wieder weg. Das macht ihn zur Lösung für kurze Einsätze, bei denen sich die Montage eines klassischen Baukrans nicht lohnt.
Welcher Baukran eignet sich für ein Einfamilienhaus?
Für den Hausbau ist der Schnelleinsatzkran das Standardgerät, ein selbstaufstellender Untendreher. Er kostet 2.500–4.500 € pro Monat, die Aufstellpauschale beginnt bei rund 1.000 €, und eine Hakenhöhe um 20 m reicht für zwei Geschosse plus Dachstuhl.
Wird ein Baukran auch tageweise vermietet?
Praktisch nie. Vermietet wird fast ausschließlich monatsweise, ab etwa 2.500 € pro Monat für einen Schnellbaukran. Für einzelne Hebeeinsätze ist ein Autokran für 500–2.000 € pro Einsatztag die passende Alternative.
Wie viel hebt ein Baukran wirklich?
Die beworbene Maximallast gilt nur nahe am Turm. An der Auslegerspitze bleiben bei einem Schnelleinsatzkran oft 1–1,5 t übrig, bei größeren Obendrehern wenige Tonnen. Für die Anfrage zählt deshalb immer das Paar aus Last und Ausladung, nicht die Einzelzahl.
Wie hoch kann ein Baukran bauen?
Untendreher erreichen meist Hakenhöhen bis rund 30 m. Freistehende Obendreher liegen je nach Klasse bei 30–80 m. Wird der Turm am Gebäude verankert oder klettert der Kran im Bauwerk mit, sind deutlich größere Höhen möglich; das ist die Domäne des Hochhausbaus.

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